Der Tisch als Symbol

Die Tischgemeinschaft der Jugendkirche Düsseldorf als Idee

Geschichte

Ab 19 Uhr nur noch Essen im Kopf.

  • Zum ersten Seelsorgeseminar an einem Wochentag von 17-21 Uhr waren einige Jugendliche und junge Erwachsene ins Haus der Kirche gekommen und wir hatten damit gerechnet, dass alle bereits gegessen hätten und wir das Seminar ohne Essenspause gestalten können. Gegen 19 Uhr stellte sich heraus, dass die mitgebrachten Süßigkeiten extrem schnell weg waren und das allesbeherrschende Thema nicht mehr das Seminarthema sondern die Nummer des nächsten Pizzalieferanten war. In der Nachbesprechung des Seminars trafen wir die Entscheidung keine abendliche Veranstaltung mehr ohne Verpflegung stattfinden zu lassen, da wir nicht davon ausgehen können, dass die Jugendlichen vorher die Zeit zum Essen finden.

Jugendkirche als „Zuhause“

  • Es brauchte einen Ort (oder eine Zeit), der neben den Projekten ermöglicht den Mitarbeitern der Jugendkirche wieder zu begegnen um den Jugendlichen eine Art jugendkirchliches Zuhause zu bieten. Die Idee von „Home“ (Arbeitstitel vor dem Namen Tischgemeinschaft) entstand. Unregelmäßig mit Interessierten Jugendlichen per WhatsApp (Gruppe erstellt am 25.06.2013) abgesprochene Koch-und Esstreffen im Sozialraum des Haus der Kirche.
    Aus den ersten Treffen entwickelte sich die Tischgemeinschaft, die sich immer häufiger traf und die wuchs.

Neuer Ort

  • Als die Jugendkirche die Räumlichkeiten der Akademiestr. fand und beziehen konnte gab es bereits eine größere Gruppe. Beim ersten Treffen im Januar 2014 gab es bereits die Tradition miteinander zu Kochen und zu Essen. Aber es gab noch keine Küche und keine Tische in der neuen Jugendkirche. Wir malten also einen Tisch mit Besteck und Geschirr auf Flipchartpapier, das auf dem Boden klebte, besorgten Pizza und hatten die erste Tischgemeinschaft in der Akademiestr.5. An diesem Tag entstand das Foto das an Da Vincis Abendmahl erinnert. Von da an fand die Tischgemeinschaft wöchentlich statt. Alle Mitarbeiter der Jugendkirche versuchten sich diesen Termin regelmäßig freizuhalten.

Wir sind die Tischgemeinschaft. Wir brauchen EINEN großen Tisch

  • Anfangs bestand die Idee für die Jugendkirche viele kleine Kaffeetische zu besorgen, die auch zu einem großen Tisch zusammengebaut werden können um so für den Raum die größtmögliche Flexibilität zu erreichen. Die Jugendlichen hatten bereits den partizivativen Grundgedanken der Jugendkirche verinnerlicht und stimmten geschlossen gegen diesen Vorschlag und verbalisierten: Wir sind EINE Tischgemeinschaft und brauchen EINEN großen Tisch.

Nichts hält länger als ein Provisorium

  • Zu Beginn der Tischgemeinschaft in den Räumen der Akademiestr. 5 bauten wir einen großen Tisch aus drei Biertischen und 4 Bierbänken. Nachdem der Vorschlag der vielen kleinen Tische abgelehnt wurde versuchten sich die Jugendlichen gedanklich an vielen anderen Tischideen. Bis heute steht die Variante aus Biertischen und –bänken.

Das ist unsere Jugendkirche, aber auch die von allen anderen

  • In der Folgezeit stoßen über die verschiedenen Mitarbeiter*innen und die stattfinden Projekte und Freizeiten neue Menschen zur Jugendkirche / Tischgemeinschaft. Zudem bringen nach und nach die Jugendlichen Freunde mit. Die Jugendlichen integrieren die neu Hinzukommenden wie selbstverständlich in IHRE Jugendkirche und lassen sie so auch zur Jugendkirche der Neuen werden.

Das blühende Leben

  • Die Tischgemeinschaft floriert und wächst. Teilweise kochen wir mit bis zu 40 Personen und die Küche mit den 4 Standard-Herdplatten stößt an ihre Grenzen. Die Biertische werden erweitert und es entsteht eine lange Tafel.

Glaubst du eigentlich an…

  • Obwohl das Format Tischgemeinschaft den kirchlichen Teil i.d.R. nicht explizit / inhaltlich bearbeitet entstehen in der Gemeinschaftssituation am Tisch und in den Gesprächen vor und nach dem Essen immer wieder Fragen und Anknüpfungspunkte für theologische Gespräche. Hier einige Beispiele der letzten Jahre:
    • Flüchtlinge, AFD und Glaube
    • Glaubst Du eigentlich an die Auferstehung
    • Immer wenn ein Teller zu viel auf dem Tisch steht ist dieser „für Jesus“
    • Speisen und Sprechen (s.u.)
    • Vorbereitung der Jugendkirchen-Eröffnung inkl. Gebet
    • Preacher und Poetry Slam Beiträge im Rahmen der Veranstaltungen
    • Gebete
    • Muslimische Teilnehmer und ihrer Bräuche

Ein Gebet für die Jugendkirche

  • Bei den Jugendlichen und den Mitarbeitern entsteht der Wunsch nach einem gemeinschaftsstiftenden Tischgebet. Becci John leitet an zwei Abenden Runden bei denen in bekannten Gebeten gesucht und eigene Gebete formuliert werden. Für die Gesamtgruppe kompromissfähig wird keiner der Vorschläge. In der Folgezeit werden aber die entstandenen Gebete genutzt.
  • Eines Abends stellt sich wieder die Frage, wer ein Tischgebet sprechen möchte. Jonas meldet sich und möchte unbedingt beten. Er hat schon mehrfach geäußert, dass er sehr viel Hunger hat. Er faltet betont die Hände, schließt die Augen und nach einem kurzen Moment der Stille sagt er: „Amen“.Die Geburtsstunde des Jugendkirchen-Tischgebets.
  • Weiterhin gibt es für jede*n die Möglichkeit eigene Gebete einzubringen, was selten auch genutzt wird.

Die kommen ja gar nicht mehr

  • Wie alle Gruppenangeboten unterliegt auch die Tischgemeinschaft Besucherschwankungen. Je nach Parallelangeboten oder Jahreszeit. Und wie in allen Jugendeinrichtungen gibt es irgendwann einen Generationenübergang, bei dem es oft zu Einbrüchen der Besucherzahl kommt, bevor neue Menschen und Gruppen den Ort und das Angebot für sich entdecken. So auch in der Jugendkirche.
  • Durch viele andere Termine und Verantwortlichkeiten war es eine Zeit lang für die Hauptamtlichen, oft mehrere Wochen hintereinander, nicht möglich die Tischgemeinschaft mit hoher Personenanzahl zu begleiten. Auch das hat sich negativ auf die Besucherzahl ausgewirkt. Die Jugendlichen verstehen, dass andere Termine dazwischenkommen können, aber sie äußern den starken Wunsch die Hauptamtlichen auch treffen zu wollen. Für die Bindung sind für sie, vor allem die handelnden Personen, äußerst relevant.

Auferstehung

  • Beim Weggang der Einen wird immer auch Platz für neue Frei, die diesen Raum füllen können. Momentan sind wir in einer solchen Phase. Die alte Gruppe schwebt noch im Orbit und gestaltet teilweise das Programm der Jugendkirche, taucht aber aus zeitlichen Gründen nur selten in der Tischgemeinschaft auf. Neue Jugendliche nehmen den Raum ein, übernehmen einige der „Traditionen“ und passen sich das Format an ihre Bedürfnisse an. Die Tischgemeinschaft erfindet sich mit ihren Besuchern also immer wieder neu.

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2019 Der Tisch als Symbol | Impressum und Datenschutzerklärung

Thema von Anders Norén